Klettern schult Ausdauer, Geschicklichkeit und Kraft.

13. Juli 2010

Kinder klettern gern und sollten ihren Kletterdrang so oft wie möglich ausleben, denn nur wenige Bewegungsformen schulen Ausdauer, Geschicklichkeit und Kraft so intensiv. Körperbeherrschung und Kreativität der Routenbewältigung sind gefragt, ebenso Kommunikation und gegenseitige Hilfe. Die Kinder setzen sich freiwillig einem Wagnis aus und lernen, mit Angst und Freude umzugehen. Dennoch zögern Eltern – meist aus Sorge vor einem Unfall – ihren Kindern das Klettern zu erlauben.
„Diese Vorsicht ist nachvollziehbar“, sagt Roland Tunsch, Geschäftsführer des Gemeinde-Unfallversicherungsverbandes Hannover(GUVH) und der Landesunfallkasse Niedersachsen(LUKN).Viele Erwachsene, so Tunsch, sind dem Klettern gegenüber auch deshalb reserviert, weil es eine junge Trendsportart ist, mit dem sie keine eigenen Erfahrungen haben. Für das risikobehaftete Image des Kletterns sorgen auch spektakuläre Bilder von Extremsportlern, die an steilen Felswänden unterwegs sind.

GUVH und LUKN raten Eltern kletterbegeisterter Kinder deshalb:

  • einen Kurs mit fachkundiger Anleitung zu besuchen – vielleicht sogar mit der ganzen Familie. Kurse bieten zum Beispiel örtliche Sektionen des Deutschen Alpenvereins an, Sportgruppen an Hochschulen oder auch privat geführte Kletterhallen.
  • Kinder zunächst nur an künstlichen Felsen klettern zu lassen, etwa in Kletterhallen oder Klettergärten. Naturfelsen im freien Gelände können durch Steinschlag oder einen plötzlichen Wetterumschwung gefährlich werden. Im Notfall ist schnelle Hilfe nicht immer gewährleistet;
  • einen eigenen Gurt und Seil als sichere Grundausstattung beim Klettern anzuschaffen. Auf den Kopf gehört ein Helm;
  • bei der Ausrüstung auf das „GS“-Zeichen (steht für „geprüfte Sicherheit“) und das UIAA-Siegel (Union of International Alpinist Association) zu achten.

Klettern fördert die Wahrnehmungsfähigkeit:

Eine optimale Wahrnehmungsfähigkeit und ein reibungsloses Zusammenspiel von Wahrnehmen und Bewegen spielen für die Sicherheit des Kindes eine zentrale Rolle. Erst wenn ein Kind seine Umwelt realitätsadäquat wahrnimmt, kann es auch auch, sach- und situationsgerecht entscheiden und handeln, sowie vorhersehbare Gefährdungen für sich und andere erkennen und vermeiden.

Zur Zeit des Schuleintritts sind die einzelnen Wahrnehmungsbereiche der Kinder zwar schon sehr weit fortgeschritten, doch funktioniert die Sinnestätigkeit der Kinder, vor allem in komplexen Situationen, nicht immer reibungslos. Manche Kinder kommen mit Wahrnehmungsdefiziten, die u. a. auf unzureichende Bewegungsaktivitäten zurückgeführt werden können, in die Schule. Dies bedeutet auch, dass man bei Schuleintritt nicht auf einem für alle gleichen Ausgangsniveau beginnen kann, da die Kinder unterschiedliche Lerngeschichten aufweisen und Körper- und Bewegungserfahrungen gesammelt haben.